Hier mein Vorschlag zur Rettung der Welt durch Neuorganisation der Grundfesten menschlichen Zusammenlebens. Also Otto Rehagel verzichtet darauf, den Libero wieder in die Bundesliga einzuführen und wird zum überparteilichen Wunschkandidaten auf das Amt des Bundespräsidenten. Christian Wulff beendet eine Amtszeit voller Bestechlichkeiten und Vorteilsnahmen und fördert die Wiederkehr von Vertrauen und Integrität im Amt, indem er Sepp Platter ablöst und FIFA-Präsident wird. Seppel nutzt die freie Zeit für einen Lehrgang zum Bootsführer und wird Kapitän der Costa Concordia. Michael Skibbe moderiert Wetten dass...? und Markus Lanz wird Hertha Trainer. ZACK BOOM AUS. Fall erledigt. Muss ja ohnehin nur bis Mitte Dezember halten.
Inzwischen habe ich richtig Angst davor, die Nachrichten zu verfolgen. Finanzkrise, Wirtschaftskrise, drohender Bürgerkrieg in Nordafrika, Atomstreit mit dem Iran und die Nachfolge von Thomas Gottschalk lassen mich nachts kaum noch den verdienten Schlaf finden. Aber die Horrormeldung ereilte mich am Freitag als ich auf dem Heimweg war. Um euch die Gefühle die mich packten besser wiedergeben zu können, habe ich die Nachricht in mehrere Abschnitte geteilt und meine Gedanken dazu geschrieben:
„[…] Berlin: Zum ersten mal in Deutschland, wurde heute ein sechs Kilogramm schweres Kind ohne Kaiserschnitt lebend geboren…“
Scheiße! Sechs Kilo. Was hat denn die Geburt für Konsequenzen für die Mutter? Mir fällt gerade wieder das schöne Bild "Bifi in die Turmhalle werfen" ein.
„… Die 40 jährige Mutter leidet an Diabetes und wiegt selbst über 240 Kilo…“
Uargh! 40 Jahre und 240 Kilo? Wie kommt denn das Kind dann da rein. Irgendeiner muss ja auch den Wahl geklettert sein. Wer soll das den gewesen sein - Rubens höchst persönlich?
„… Der kleine Djihad…“
Ohne Worte!
„… ist das 14 Kind der Mutter.“
Ach du meine Nase. Na zum Glück kann ich annehmen, dass der „kleine“ Djihad und seine Brüder und Schwestern uns dabei helfen, den Konsum zu steigern und nachhaltig das Problem der Überproduktion in der Landwirtschaft zu lösen.


Wir(!) und ihre(!) Mama waren am Samstag bei IKEA. Eigentlich gibt es ja nichts dümmeres, als an einem Samstag zu IKEA zu fahren, aber wir wollten, wie immer, nur schnell was gucken und eigentlich gar nichts kaufen außer eins, zwei Duftkerzen. Jedoch lernten wir, dass der schwedische Verkaufsgenius sich immer neue und noch perfidere Tricks einfallen lässt, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen und dabei auch noch ein gutes Gefühl gibt. Mit anderen Worten – ich liebe IKEA. Es hat mich eine Weile gekostet, um mich daran zu gewöhnen, dass ich hier geduzt werde. Aber sie(!) erinnerte mich daran, dass es in unserem geliebten Schweden nun mal so üblich ist und ich, als selbsternannter Südschwede, müsste das eigentlich akzeptieren können. Bei meiner Fischkoppehre gepackt, würge ich nun jedes Mal meinen Unmut über die Duzerei herunter und freue mich – Hej och vramt välkommen till IKEA. Nach einer Weile schaltete ich, wie immer, auch letzten Samstag in den IKEA-Familiy Card Modus und packte, entgegen aller Vorsätze, Dinge in unseren Wagen, die eigentlich nicht gebraucht wurden, wie zum Beispiel Sparka. Als wir uns fast am Ende des Rundgangs befanden, zerstörte eine Durchsage unsere heile Einkaufswelt. „Der kleine Eddie, 4 Jahre, wird gesucht. Er trägt einen gestreiften Pullover und eine grüne Mütze. Seine Eltern befinden sich vorm Småland.“ Für einen kurzen Moment hörte die Welt sich auf zu drehen. Allen Menschen die auch nur einen Hauch Empathie haben, schossen die Tränen in die Augen. Es war, als zerreiße die blechende Stimme, die aus der Lautsprecheranlage krächzte, jedem Besucher vom Bettenparadies bis Elga-Regal-Lagerregal (fast ein doppeltes Palindrom) das Herz. Verstört begann ich über den Sinn und Unsinn meines Lebens zu sinnen und fragte mich, wie es sein kann, dass ich mal wieder über den Kauf eines neuen Schreibtisches nachdenke, wenn der kleine Eddie elternlos durch das endlose Labyrinth der Konsumhölle irrte. „Ich wiederhole, der kleine Eddie befindet sich vorm Småland und sucht seine Eltern. Er trägt einen gestreiften Pullover und eine Mütze in grün.“ Erste Zweifel kamen in mir auf. Wer steht denn nun vorm Småland, Eddie oder seine Eltern oder vielleicht beide? Die Menschen um mich herum schienen den ersten Schock überwunden zu haben. Tatendrang machte sich breit. Nur mit Mühe konnte ich meine beiden Begleiterinnen davon abhalten, alle Billyregal aufzubauen. Sie wollten sicherstellen, dass Eddie nicht in einer der Kisten hockte und weinend auf sein Ende wartet. Fakt war, dass die Stimmung sich wandelte. Ernsthaftigkeit machte sich breit und ich erlebte ein Zusammenwachsen, wie ich es zum letzten Mal bei der großen Oderflut empfunden hatte. Bürgerwehren wurden aufgestellt, Verdächtige verprügelt und ein Blick auf den Parkplatz verriet mir, dass erste Verkäufer begannen, die Fluchtwege vom Parkplatz mit brennenden Autos zu verbarrikadieren. Kurz bevor ein unsympathisch angezogener Mann erschossen werden sollte, krächzte es erneut aus den Lautsprechern. „Liebe Kunden. Der kleine Eddie ist wieder bei seinen Eltern und wohlauf. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.“ Was nun folgte, war mit Worten nicht zu beschreiben. Weil ich damals für eine Kunstleistungskontrolle lernte, war ich zwar selbst nicht dabei, aber so muss der 9.November 1989 gewesen sein. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und warfen ihre Kleider ab. Statt Sekt wurden Kalle-Ersatzkaviarduschen angezettelt. Die Menschen verfielen in einen Rausch der Glückseligkeit. Etwas befremdet zog ich mich in den Bereich der Töpfe und Bestecke zurück – hier ist es immer etwas leerer als bei den Kerzen – und beobachtete, wie die Menschen voller Freunde und Glück total sinnentleert unnützes Zeug in ihre Wagen warfen. Zwar tun Menschen das oft bei IKEA, aber so schlimm wie heute war es noch nie. Schnell wurde mir klar, dass es diesen Eddie nie gegeben hatte. Zu offensichtlich waren die Anzeichen, dass alles nur eine Psychomasche war, um Menschen durch ein Wechselbad der Gefühle in einen Kaufrausch zu versetzen. Die Verwechslung der Personen vorm Småland, der Name Eddie und vor allem die grüne Mütze – wie soll das den aussehen? Das konnte nicht wahr sei. Ich packte die beiden Damen, rannte zur Selbstbedienlaserkasse, stritt kurz mir ihr(!), wer den Scanner bedient, zahlte Sparka, die Kerzen, die Teelichter, die Plastikbecher, den Tritthocker Bikväm – falls mal was ist – und die beiden Rahmen mit dem New York Bildern und verschwand zum Kuchenessen bei Opa Egon.
Nie wieder werde ich zu IKEA gehen und mich einer derartigen Gehirnwäsche aussetzen. Nie wieder – bis die Duftkerzen verbraucht sind. Dann muss ich aber. Aber nur wegen der Kerzen. Und vielleicht um schnell mal was zu gucken.
Sie (!) war nicht da. Klar ist es wichtig, dass man auch Freiräume lässt. Natürlich. Logisch. Man hat es ja mit Menschen zu tun. Und wer Freigang hat, neigt wohl statistisch auch seltener zum Ausbrechen. Sicherlich. Klar. Und es ist total schön und wichtig, dass Sie(!) Hobbies und eigene Freunde hat. Auf jeden Fall. Super ist das. Toll. Es ist ja auch mal schön alleine zu Hause zu sein. Stimmt. Ist echt gut und auch mal wirklich schön. Echt.
Ach Blödsinn. Sie war nicht da und ich hatte komische Laune. Ein ganzes Wochenende lang. Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass ich Sie(!) heiraten sollte, er ist erbracht. Obwohl ich beim besten Willen nicht sagen kann, dass es kein schönes Wochenende war. Eigentlich war es richtig gut. Aber wenn vier Leute sagen, dass ich eigenartige Laune habe, dann merkt man wohl doch, dass etwas nicht stimmt. Ich merke, dass Sie(!) fehlt. Ob man auch merkt, dass Sie(!) inzwischen wieder das ist?
Die Schweizer haben für viele Dinge die schöneren deutschen Begriffe. Was bei uns Müll oder Dreck ist, ist bei Schweizern Kehricht, ein Böögg ist ein Popel und wenn der doofe Deutsche in seiner umständlichen Art von einer eheähnlichen Gemeinschaft spricht, sagt der Schweizer Konkubinat dazu. Ein tolles Wort. Und wie komme ich darauf? Richtig – ich habe eine Konkubine. Zwar steht dieses Wort in unseren Breiten eher für eine Geliebte, aber völlig falsch ist es ja nicht. Sie(!) hat sich nämlich unser Zusammenleben beurkunden lassen und ist seit dem heutigen Tag um 8:05 Uhr in eine neue Ebene aufgestiegen. Sie(!) gehört nun dem erlesenen Kreis der Friedrichshainer an und stellt dabei gleich mal eine Besonderheit dar, weil Sie(!) der winzigen Gruppe hier lebender Menschen angehört, die gleichzeitig gebürtige Berliner sind. Ich freu mich wie Bolle. Darüber, dass Sie(!) sich endlich nicht mehr in der Küche verstecken muss, wenn es überraschend an der Tür klingelt, dass Sie(!) nun endlich mit meinem Auto fahren darf, darüber, dass es sicher nur noch wenige Monate dauert, bis der Hausmeister auch ihren Namen ans Klingelbrett geklebt hat und auf jeden neuen Tag mit ihr(!). Also, geliebte Konkubine - ig liäbe di.